Als ich vor einiger Zeit mit meiner Freundin auf einer Reise nach Süddeutschland war, hatte ich nach ein paar, gefahrenen Kilometern das Bedürfnis, eine Toilette aufzusuchen und entschied mich für eine Toilette an einer der nächsten Autobahnraststätten. Ein netter, freundlicher, südländisch wirkender, junger Mann führte mit einem Handwink die Besucher zu den Toiletten. Die Herren gerade aus, die Damen rechts die Tür. Schon leicht gekrümmt, vor starkem Harndruck, betrat ich, mit einem suchenden Blick auf ein freies Pissoir, die Toilettenräume. Mich und "Ihn" vor dem Pissoir in Position gebracht, lies ich der Natur freien Lauf.
Nach dem erlösenden Geschehen begab ich zum Waschbecken, wusch meine Hände, trocknete sie und ging wieder, Portemonnaie aus der Gesäßtasche zückend, zurück zum Raum vor den Toiletten, um noch auf meine Freundin zu warten.
In meinem Portemonnaie kramte ich nach Kleingeld und entschied mich großzügig für dreißig Pfennig für das "kleine Geschäft", die ich dann auch auf den weißen Teller legte, der vor dem Toilettenmann platziert war.
Die "Groschen" waren jetzt in Gesellschaft von ca. sechs Fünfzigern und zwei Markstücken (...war wohl das große Geschäft). Sicher, so dachte ich, hatten die anderen nicht entsprechendes Kleingeld und ließen sich das Pinkeln mit einem Fünfziger etwas kosten.
Da ich noch auf meine Freundin wartete, beobachtete ich in der Zeit noch ein wenig das Geschehen im Toilettenfoyer.
Innerhalb einer Minute gingen ca. 8 Personen an dem weißen Tellerchen vorbei und ließen es mit Münzen klingeln.
Und dann kam der Augenblick, der mich nachdenklich machte. Da waren nun verschieden Hartgeldstücke auf dem Teller vereint. Der Toilettenmann suchte nun die "Messing"münzen heraus und lies nur das Silbergeld und ein Anstands-Messingstück auf dem Teller liegen. So, so, dachte ich. Deshalb ist das Pinkeln teurer geworden.Viele der Besucher fühlten sich sicher dazu aufgefordert, die Toilettenbenutzung mit einem Fünfziger zu bezahlen.
Aber ich will an dieser Stelle erwähnen, das ich mich nicht kleinlich zeigen will, und werde auch in Zukunft mit Fünfzig Pfennig bezahlen. Denn es sei dem Mann doch ein kleines Zubrot für seine nicht immer angenehme Arbeit gegönnt.
Denn angenommen der Toilettenmann arbeitet nur 7 Stunden am Tag und er hat ca. 5 "Besucher" in einer Minute, die alle im Durchschnitt 40 Pfennig bezahlen (das große Geschäft zählen wir hier mal nicht mit), so sind das 840,-DM. Runden wir die Summe mal drastisch auf 800,- DM ab und gehen von ca. 20 Arbeitstagen aus, so sind das im Monat 16.000,- DM. Jetzt runden wir die Summe wieder drastisch auf 10.000,- DM ab. Oder habe ich mich jetzt verrechnet?
Aber es sei ihm gegönnt, denn er bekommt ja als Toilettenmann der Sanitären Anlagen, welche dem gastronomischen Betrieb angeschlossen, wahrscheinlich nur ein kleines Gehalt.
Dienstag, 27. Juli 2010
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